Referat - Seelensammler.de

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FPI-R
Das Freiburger Persönlichkeitsinventar
Grundkurs Diagnostik B
Mona Oitner, Bernd Inkret
FPI-R – Das Freiburger Persönlichkeitsinventar
Einführung und Entstehung
Beim FPI-R handelt es sich um einen Persönlichkeitsstrukturtest
FPI-R ist als Instrument zur Selbst- und Fremdbeurteilung der älteste und
beliebteste mehrdimensionaler Persönlichkeitsfragebogen
Erstfassung 1970 von Fahrenberg, Hampel und Selg (Hogrefe Verlag)
(zuvor nur Übersetzungen angloamerikanischer Tests)
Ursprüngliche Form aufgeteilt in:
FPI-G (Hauptform mit 212 Items),
FPI-A und FPI-B (Halb-/Parallelformen mit 114 Items)
FPI-K (Kurzform mit 76 Items)
Eichstichprobe mit N=630 sehr gering!
Außerdem Mängel in sprachlicher und psychologischer Sicht
FPI-R – Das Freiburger Persönlichkeitsinventar
Einführung und Entstehung
1982 Revision des FPI in FPI-R und FPI-A1 (Neunormierter FPI-A >
ermöglicht Vergleichbarkeit mit früheren Untersuchungen)
- Erweiterung der Normstichprobe auf N=2035
(alte Bundesländer ohne „DDR“)
- Anpassung sprachlich und psychologisch verbesserungswürdiger
Items
- Reduktion der Faktoren und Itemanzahl (von 212 auf 138 Items)
1999 Neue Normierung mit N=3470 (jetzt inklusive neue Bundesländer)
Gleichzeitig zusätzliche Erhebung von soziodemografischen und
psychologisch interessanten Daten (z.B. Wohnort, Kinderanzahl,
Einkommen, etc.)
FPI-R – Das Freiburger Persönlichkeitsinventar
Einführung und Entstehung
Gleichzeitig mit FPI-R enstanden:
FBL-R (Freiburger Beschwerdeliste):
- 71 Items zur Ausprägung körperlicher Beschwerden
(z.B. Herz-Kreislauf, Magen-Darm, Anspannung, Schmerz und
- Sensorik)
FLZ (Fragebogen zur Lebenszufriedenheit)
- 70 Items zur Ausprägung der Lebenszufriedenheit
(z.B. Gesundheit, Arbeit und Beruf, finanzielle Lage, Sexualität,
Ehe etc.)
Oft nützlich wenn die beiden Skalen im FPI-R „körperliche Beschwerden“
und „Lebenszufriedenheit“ genau unter die Lupe genommen werden
sollen.
FPI-R – Das Freiburger Persönlichkeitsinventar
Anwendungsgebiete
Klinischer Psychologie:
- Identifizierung von Personen mit sehr hohen bzw. niedrigen
Ausprägungen in einer oder mehrerer Skalen (> gezielte
Weiteruntersuchung)
- Vergleich der Skalenwerte von Untersuchungs- und Kontrollgruppen
Gesundheitspsychologie:
- Untersuchung von Persönlichkeit und Gesundheitsverhalten
Persönlichkeitsforschung:
- Vergleich von Personen und Personengruppen untereinander und mit
dem Bevölkerungsdurchschnitt
- Aussagen über soziodemografische Verteilung von
Persönlichkeitseigenschaften in Bevölkerung oder Teilstichproben
(Zusammenhänge zwischen Persönlichkeitsmerkmalen mit Alter,
Schulbildung, Geschlecht etc.)
FPI-R – Das Freiburger Persönlichkeitsinventar
Konstruktion
Ziel: Erstellung eines Persönlichkeitsfragebogens mit relativ robusten und
empirisch begründeten Dimensionen der Selbstbeschreibung auf
Basis einer bevölkerungsrepräsentativen Normierungsstichprobe
Testbasis: Keine spezielle Persönlichkeitstheorie, sondern Interesse der
Autoren an bestimmen Verhaltensdimensionen.
Skalengewinnung:
- Auswahl der Skalen aufgrund von Erkenntnissen aus
psychophysiologischer Persönlichkeitsforschung, Psychotherapie
etc.
- faktoren- und itemanalytische Methodik
- Items mit geringer Faktorenladung wurden entfernt/ausgetauscht
- Mittelschwere Items bevorzugt (hinsichtlich Trennschärfe)
- Reduktion des Itempools von 240 auf 138 Items
- Bildung der 10 Standardskalen mittels Faktorenanalyse,
Zusatzskalen getrennt entwickelt (im Sinne Eysencks)
FPI-R – Das Freiburger Persönlichkeitsinventar
Neuerungen im FPI-Revision
Zusammenfassung der 9 Standardskalen des alten FPI zu 5 Skalen
(Gehemmtheit, Erregbarkeit, Aggressivität, körperliche Beschwerden,
Offenheit)
Hinzufügen 5 neuer Skalen (Lebenszufriedenheit, soziale Orientierung,
Leistungsorientierung, Beanspruchung, Gesundheitssorgen)
> erweitertes „FPI-Menschenbild“
Eliminierung der problematischen Maskulinität-Femininität-Skala, die
ursprünglich zur Erfassung von Geschlechtssterotypen vorgesehen war
(zur Vermeidung von Fehlinterpretationen und möglichem Missbrauchs –
z.B. Diagnose Homosexualität)
Neunormierung 1999 zeigt Zunahme bei Aggressivität, Lebenszufriedenheit und Offenheit sowie Abnahme sozialer Orientierung und körperlicher
Beschwerden (evtl. Veränderungen der Gesellschaft)
FPI-R – Das Freiburger Persönlichkeitsinventar
Dimensionen & Beispielitems im FPI-R
Skalen und das jeweils trennschärfste Item (rit):
1. Lebenszufriedenheit:
Alles in allem bin ich ausgesprochen zufrieden mit meinen bisherigen
Leben (.70)
2. Soziale Orientierung:
Da der Staat schon für Sozialhilfe sorgt, brauche ich im Einzelnen nicht zu
helfen (-.57)
3. Leistungsorientierung:
Ich habe gern mit Aufgaben zu tun, die schnelles Handeln verlangen
(.61)
4. Gehemmtheit:
Ich werde ziemlich leicht verlegen (.58)
FPI-R – Das Freiburger Persönlichkeitsinventar
Dimensionen & Beispielitems im FPI-R
5. Erregbarkeit:
Oft rege ich mich zu rasch über jemanden auf (.57)
6. Aggressivität:
Wenn ich Zuflucht zu körperlicher Gewalt nehmen muss um meine
Rechte zu verteidigen, so tue ich es (.54)
7. Beanspruchung:
Ich habe häufig das Gefühl im Stress zu sein (.73)
8. Körperliche Beschwerden:
Ich habe manchmal ein Gefühl erstickender Enge in der Brust (.61)
9. Gesundheitssorgen:
Ich vermeide Zugluft, weil man sich zu leicht erkälten kann (.61)
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Dimensionen & Beispielitems im FPI-R
10. Offenheit:
Ich bin hin und wieder ein wenig schadenfroh (.59)
E – Extraversion:
Ich kann in eine ziemlich langweilige Gesellschaft schnell Leben
bringen (.68)
N – Emotionalität:
Ich bin oft nervös, weil zuviel auf mich einströmt (.62)
Skalen 1-10 mit jeweils 12 Items, Skalen E und N je 14 Items
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Testdurchführung
Durchführung als Einzel- oder Gruppenverfahren
Als Papier und Bleistift sowie als Computer-Version verfügbar
Durchführungsvorraussetzungen:
- Normierung ab 16 Jahre und mind. Hauptschulabschluss
- keine starken psychopathologischen Auffälligkeiten (ansonsten
Probleme bei Durchführung)
- positive Einstellung der Vpn dem Test gegenüber
Für die Durchführung und Auswertung werden benötigt:
- FPI-R Fragebogen
- Antwortbogen
- Auswertungsschablone
- Manual mit Alters- und Geschlechtsgruppentabellen (Umwandlung
der Rohwerte in Stanine-Werte)
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Testdurchführung
Dauer des Fragebogens: 10-30 Minuten, keine Zeitbgrenzung für Vpn
Auswertungsdauer: 10-15 Minuten
Bei Testbeginn Ermunterung zu Offenheit und Vollständigkeit und
Zusicherung des Datenschutzes für die Vpn
Vpn-Instruktionen in schriftlicher Form am Beginn des Tests
FPI-R – Das Freiburger Persönlichkeitsinventar
Instruktionen am Testbeginn:
Sie werden auf den folgenden Seiten eine Reihe von Aussagen über bestimmte
Verhaltensweisen, Einstellungen und Gewohnheiten finden. Sie können jeder entweder
mit "stimmt" oder mit "stimmt nicht" beantworten. Setzen sie bitte ein Kreuz (X) in
den dafür vorgesehenen Kreis. Es gibt keine richtigen
oder falschen Antworten, weil jeder Mensch das Recht zu eigenen Anschauungen hat.
Antworten Sie bitte so, wie es auf Sie zutrifft.
Beachten Sie bitte folgende Punkte:
• Überlegen Sie bitte nicht erst, welche Antwort vielleicht den "besten Eindruck"
machen könnte, sondern antworten Sie so, wie es für Sie persönlich gilt. Manche
Fragen kommen Ihnen vielleicht sehr persönlich vor. Bedenken Sie aber, daß Ihre
Antworten unbedingt vertraulich behandelt werden.
• Denken
Sie nicht lange über einen Satz nach, sondern geben Sie die Antwort, die
Ihnen unmittelbar in den Sinn kommt. Natürlich können mit diesen kurzen Fragen
nicht alle Besonderheiten berücksichtigt werden. Vielleicht passen deshalb einiige
nicht gut auf Sie. Kreuzen Sie aber trotzdem immer eine Antwort an, und zwar die,
welche noch am besten für Sie zutrifft.
FPI-R – Das Freiburger Persönlichkeitsinventar
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FPI-R – Das Freiburger Persönlichkeitsinventar
Unsere Versuchsperson
Weibliche Versuchsperson, 28 Jahre, seit 3 Jahren alleinerziehende Mutter
von 2 Kindern, derzeit keinen Lebenspartner, Raucherin, ganztägig als
Bürokauffrau erwerbstätig, seit 2 Monaten zusätzliche Ausbildung zur
Versicherungsmaklerin.
Beschreibt sich selbst als ehrgeizig, ausdauernd und aufgeschlossen.
Sie gehe oft an Ihre Grenzen, fühlt sich müde und ausgelaugt.
Versucht Probleme meist allein zu lösen.
FPI-R – Das Freiburger Persönlichkeitsinventar
FPI-R – Das Freiburger Persönlichkeitsinventar
FPI-R – Das Freiburger Persönlichkeitsinventar
Unsere Versuchsperson
Persönlichkeitsskalen
Rohwerte
Lebenszufriedenheit
Soziale Orientierung
Leistungsorientierung
Gehemmtheit
Erregbarkeit
Aggressivität
Beanspruchung
körperl. Beschwerden
Gesundheitssorgen
Offenheit
Extraversion
Emotionalität
6
8
6
6
7
1
10
4
4
6
8
10
Stanine Xv Rohwertpunkte
4
6
4
5
6
2
7
6
4
4
5
7
3,1<6<8,9
5,1<8<10,9
3,1<6<8,9
3,1<6<8,9
4,2<7<9,8
-1,9<1<3,9
7,2<10<12,8
1,3<4<6,7
1,5<4<6,9
3,1<6<8,9
4,9<8<11,1
6,9<10<13,1
MW
4
6
4
5
6
2
7
6
4
4
5
7
FPI-R – Das Freiburger Persönlichkeitsinventar
Unsere Versuchsperson
Persönlichkeitsskalen
Rohwerte
Lebenszufriedenheit
Soziale Orientierung
Leistungsorientierung
Gehemmtheit
Erregbarkeit
Aggressivität
Beanspruchung
körperl. Beschwerden
Gesundheitssorgen
Offenheit
Extraversion
Emotionalität
6
8
6
6
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Stanine Xv Rohwertpunkte
4
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3,1<6<8,9
5,1<8<10,9
3,1<6<8,9
3,1<6<8,9
4,2<7<9,8
-1,9<1<3,9
7,2<10<12,8
1,3<4<6,7
1,5<4<6,9
3,1<6<8,9
4,9<8<11,1
6,9<10<13,1
MW
4
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2
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6
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4
5
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FPI-R – Das Freiburger Persönlichkeitsinventar
Unsere Versuchsperson - Interpretation
Eine überdurchschnittlich niedrige Ausprägung in der Skala Aggressivität
(Stanine Wert 2). Dieser niedrige Wert spricht dafür, daß die Vpn entweder
sehr zurückhaltend passiv oder aggressiv gehemmt ist. Aggressionen
können kontrolliert werden und es kommt zu keiner körperlichen Gewalt,
bzw handfesten Auseinandersetzungen.
Auch in der Skala Beanspruchung zeigt die Probandin eine Abweichung
vom Durchschnitt (Stanine Wert von 7). Höhere Werte zeigen eine starke
Beanspruchung. Meist gilt es viele Aufgaben unter Zeitdruck zu bewältigen.
Dies führt zu starker Anspannung und Überforderung, welche sich z.B. in
Nervosität, Mattigkeit, Erschöpfung und dem Gefühl oft im Stress zu sein,
führen.
In der Zusatzskala Emotionalität (Stanine Wert 7) zeigt sich ebenfalls eine
leichte Abweichung von der Norm. Höhere Werte zeigen sich oft in inneren
Konflikten sowie leichter Reizbar- und Erregbarkeit. Andererseits fühen
sich diese Personen oft abgespannt, teilnahmslos und matt. Ihre Stimmung
ist oft gedrückt und ängstlich – auch die Laune wechselt oft.
FPI-R – Das Freiburger Persönlichkeitsinventar
Bedeutung einzelner Konstrukte
FPI-R1: Lebenszufriedenheit
Probanden mit hohem Skalenwert betonen ihre allgemeine
Lebenszufriedenheit, sind mit ihrer Partnerbeziehung und ihrem Beruf voll
zufrieden. Sie zeigen meist ein hohes Selbstvertrauen, Ausgeglichenheit.
Probanden mit niedrigem Skalenwert grübeln viel über ihr Leben nach, oft
haben sie alles satt und äußern eine bedruckte, unglückliche Stimmung,
Depressivitat und negative Lebenseinstellung.
FPI-R2: Soziale Orientierung
Probanden mit hohem Skalenwert fühlen eine soziale Verantwortung, sind
hilfsbereit und sind motiviert, zu helfen zu trösten und zu pflegen. Sie
empfinden auch schlechtes Gewissen über eigenen Wohlstand und
Konsum im Vergleich zu anderen.
Probanden mit niedrigem Skalenwert betonen einerseits die Verantwortung
des Einzelnen für seine Lebensbedingungen andererseits sehen sie für
Sozialhilfe den Staat als zuständig an.
FPI-R – Das Freiburger Persönlichkeitsinventar
Bedeutung einzelner Konstrukte
FPI-R3: Leistungsorientierung
Probanden mit hohem Skalenwert sind leistungsorientiert und
leistungsmotiviert, packen wesentliche Aufgaben energisch und effizient
an. Sie suchen Herausforderung, dabei ist ihnen berufliches Engagement
oft wichtiger als Freizeitbeschäftigungen
Probanden mit niedrigem Skalenwert zeigen wenig Ehrgeiz oder
Konkurrenzverhalten und sind eher passiv und wenig leistungsmotiviert.
FPI-R4: Gehemmtheit
Probanden mit hohem Skalenwert fühlen sich im sozialen Umgang
gehemmt, bleiben lieber im Hintergrund und es fallt ihnen schwer, vor einer
Gruppe zu sprechen. Sie sind leicht verlegen oder sogar ängstlich und
erröten schnell.
Probanden mit niedrigem Skalenwert sind ungezwungen und kontaktbereit
Sie finden leicht Umgang, indem sie auf andere zugehen, sie ansprechen
und sich selbstsicher einer Gruppe bewegen.
FPI-R – Das Freiburger Persönlichkeitsinventar
Bedeutung einzelner Konstrukte
FPI-R5: Erregbarkeit
Probanden mit hohem Skalenwert schildern sich als leicht erregbar und
reizbar. Sie sind leicht aus der Ruhe gebracht und können oft ihren Ärger
nicht recht beherrschen werden dann auch eher aggressiv.
Probanden mit niedrigem Skalenwert zeichnen sich durch Gelassenheit
aus, sind nicht leicht aufzuregen, zu provozieren oder zu verärgern. Sie
bleiben geduldig, ruhig und lassen sich nicht hetzen.
FPI-R6: Aggressivität
Probanden mit hohem Skalenwert sind zu aggressiver Durchsetzung
bereit. Fühlen sie sich beleidigt oder in ihren Rechten betroffen, so setzen
sie sich zur Wehr und wenden dabei vielleicht auch körperliche Gewalt an.
Sie reagieren leicht wütend und unbeherrscht.
Probanden mit niedrigem Skalenwert schildern sich als wenig aggressiv.
Sie sind entweder zurückhaltend passiv und aggressiv gehemmt oder
können sich so kontrollieren, daß es nicht zu aggressiven Reaktionen
kommt. Keine körperliche Gewalt zur Durchsetzung ihrer Rechte.
FPI-R – Das Freiburger Persönlichkeitsinventar
Bedeutung einzelner Konstrukte
FPI-R7: Beanspruchung
Probanden mit hohem Skalenwert haben viele Aufgaben erleben
starke Anforderungen und Zeitdruck bei ihrer Arbeit. Sie arbeiten viel, was
zu Überforderung, Nervosität, Mattigkeit, Erschöpfung führt.
Probanden mit niedrigem Skalenwert sind den Anforderungen, die an sie
gestellt werden, gewachsen und können ihre Aufgaben ohne Hetze oder
Nervosität zu geraten, bewältigen.
FPI-R8: körperliche Beschwerden
Probanden mit hohem Skalenwert haben ein gestörtes körperliches
Allgemeinbefinden, Schlafstörungen, Wetterfühligkeit, Kopfschmerzen Sie
klagen außerdem über speziellere Beschwerden (Unregelmäßigkeiten der
Herztätigkeit (Arrhythmien), Hitzewallungen, etc.)
Probanden mit niedrigem Skalenwert klagen über wenige
Befindensstörungen oder Beschwerden.
FPI-R – Das Freiburger Persönlichkeitsinventar
Bedeutung einzelner Konstrukte
FPI-R9: Gesundheitssorgen
Probanden mit hohem Skalenwert schildern ein sehr gesundheitsbewußtes
und gesundheitsbesorgtes Verhalten. Sie versuchen die Risiken einer
möglichen Ansteckung oder Schädigung zu vermeiden und sich durch
ihren Lebensstil zu schonen. Hypochondrische Tendenzen.
Probanden mit niedrigem Skalenwert sind wenig um ihre Gesundheit
besorgt, sind unbekümmert und schonen sich nicht besonders.
FPI-R10: Offenheit
Probanden mit hohem Skalenwert räumen selbstkritisch eine Vielzahl
kleiner Schwächen und Fehlern ein. Sie geben diese Abweichungen von
der gangigen Norm und den “guten Sitten" offen und ungeniert zu.
Probanden mit niedrigem Skalenwert orientieren sich entweder sehr stark
an konventionellen Umgangsnormen (Konformität) oder sie sind auf einen
guten Eindruck bedacht. Mögliche Motive sind mangelnde Selbstkritik bzw
Selbstidealisierung, Verschlossenheit gegenüber solchen Fragen oder die
Absicht, sozial unerwünschte Verhaltensweisen zu leugnen.
FPI-R – Das Freiburger Persönlichkeitsinventar
Bedeutung einzelner Konstrukte
FPI-RE: Extraversion
Probanden mit hohem Skalenwert schildern sich als gesellig und impulsiv,
gehen abends gern aus, schätzen Abwechslung und Unterhaltung,
schließen schnell Freundschaften, fühlen sich in Gesellschaft anderer
wohl. Sie sind lebhaft, unternehmungslustig eher gesprächig und
schlagfertig.
Probanden mit niedrigem Skalenwert sind im sozialen Umgang
zurückhaltend, lieber für sich allein. Sie sind eher wenig unterhaltsam oder
mitteilsam, beherrscht statt impulsiv, wenig unternehmungslustig
FPI-R – Das Freiburger Persönlichkeitsinventar
Bedeutung einzelner Konstrukte
FPI-RN: Emotionalität
Probanden mit hohem Skalenwert lassen viele Probleme und innere
Konflikte erkennen. Sind sind reizbar und erregbar, andererseits fühlen sie
sich abgespannt und matt oder auch teilnahmslos. Ihre Laune wechselt oft,
ihre Stimmung ist überwiegend bedrückt oder ängstlich.
Sie grübeln viel über ihre Lebensbedingungen und ihre Gesundheit. Fühlen
sich oft im Stress, nervös und psychosomatisch gestört.
Probanden mit niedrigem Skalenwert sind mit sich und ihrem Leben relativ
zufrieden. Sie sind gelassen, nehmen die Dinge leicht. Ihre Stimmung ist
ausgeglichen, sie sind wenig ängstlichoder empfindlich. Sie haben wenig
Sorgen oder innere Konflikte Psychosomatische Störungen und
Gesundheitssorgen fehlen weitgehend.
FPI-R – Das Freiburger Persönlichkeitsinventar
Auswertungsprobleme
Fehlende Antworten: lt. Autoren, wenn pro Skala mehr als eine Antwort
fehlt, wird Testwert „missing data“ gesetzt = Skala wird nicht ausgewertet
(Eintrag im Auswertungsprofil „fehlende Antworten“)
Fehlen im gesamten Test mehr als 7 Antworten (5%) wird der Test als nicht
auswertbar betrachtet
Bei Einzeluntersuchung ist keine „missing-data“ Behandlung nötig (nur
reduzierten Testwert in Interpretation berücksichtigen)
Bei Gruppenuntersuchungen und bei computergestützter Version, sollte
eine „missing-data“ Behandlung erfolgen
fehlender Itemwert wird durch Erwartungswert ersetzt
(korrigierter Testwert der Skala = Mittelwert der vorhandenen Itemwerte x
Itemzahl der Skala)
FPI-R – Das Freiburger Persönlichkeitsinventar
Interpretationsprobleme
Bei Verneinung Item 1 >> lt. Autoren keine Auswertung
Bei 0-2 Rohwertpunkten in der Offenheitsskala (Lügenskala) und niedrige
Aggressivitätswerte
>> Tendenz zu sozial erwünschten Antworten bzw. Selbstidealisierung
Wenn erhebliche Bedenken hinsichtlich der Testmotivation oder
Testsituation vom Testleiter festgestellt werden, sollte von einer
Interpretation abgesehen werden
FPI-R – Das Freiburger Persönlichkeitsinventar
Testgütekriterien
Durchführungsobjektivität
Standardisierter Fragebogen >> hohe Durchführungsobjektivität
Kurze Instruktion und selbstständiges Bearbeiten durch die Vpn
>> minimale Testleitereffekte
Auswertungsobjektivität
Standardisierter Fragebogen >> ebenfalls hohe Objektivität
Problem: Handhabung der „Missing Data“ - Frage der Berücksichtigung der
Handanweisung im Manual hierzu >> evtl. Auswirkung auf Reliabilität
Reliabilität:
Laut Autoren befriedigend - Konsistenzkoeffizient Crombach Alpha variiert
für die verschiedenen Skalen zwischen .71 und .84.
Durch innere Konsistenz und Reproduzierbarkeit gut geeignet um
individuelle Differenzen zu erfassen. (Vergleich Erhebung 1984 und 1999)
FPI-R – Das Freiburger Persönlichkeitsinventar
Testgütekriterien
Validität
Interne Validität ist durch die Konvergenz von faktorenanalytischen und
itemmetrischen Analysen sowie durch konfirmatorische
Clusteranalysen gesichert.
Empirische Validität ist durch die Korrelation mit Selbst- und
Fremdeinstufungen, mit anderen Persönlichkeitsfragebogen belegt.
- Z.B. Selbst ausgefüllter FPI-R und vom Ehepartner stellvertretend
ausgefüllter FPI-R stimmen hinsichtlich den Skalen
Leistungsorientierung, Extraversion,
Lebenszufriedenheit,
Emotionalität und Gesundheitssorgen
überein (.48 < r < .67)
- Korrelationen von r >= .50 mit dem Gießen-Test in 6 Skalen
Inhaltsvalidität: 49% der Normstichprobe fand den Itempool für sehr gut
geeignet, um Menschen besser zu verstehen
FPI-R – Das Freiburger Persönlichkeitsinventar
Testgütekriterien
Fairness
Bei der Entwicklung des Tests wurde auf die Vermeidung diskriminierender
Formulierungen geachtet
Keine Zeitbeschränkung >> kein Nachteil für Leseschwache
Akzeptanz
Wenig fehlende Antworten in den Repräsentativerhebungen.
Probleme lediglich bei der Formulierung oder Passung einzelner Items
z.B. Meine Partnerbeziehung (Ehe) ist gut >> Was wenn ich Single bin?
Ökonomie
Der Test kann mit einer Gesamtdauer von (in unserem Beispiel) knappen
30 Minuten durchaus als ökonomisch bezeichnet werden.
Vergleichbarkeit
Keine Hinweise durch die Autoren, hinsichtlich der Vergleichbarkeit mit
anderen Verfahren (Amelang)
FPI-R – Das Freiburger Persönlichkeitsinventar
Kritik
Weite Verbreitung (FPI ist zweithäufigst verwendeter Test in Deutschland)
Neunormierung und ständige Wartung
Pflege der Informationsdatenbank mit Statistiken zu speziellen Gruppen
und auch individuellen anonymisierten Itembeantwortungen
wissenschaftlich fundierte Konstruktion
weiter Anwendungsbereich -> unzählige Publikationen
sehr wirtschaftlich, ökonomische Informationsgewinnung
gute Eignung für reine Deskription der 12 Persönlichkeitsdimensionen
gute Akzeptanz bei den Probanden, probandenfreundlicher Test
FPI-R – Das Freiburger Persönlichkeitsinventar
Kritik
nur wenig Hinweise zur Validität und Reliabilität des FPI-R (Amelang)
keine Parallelformen
hohe Verfälschbarkeit wie bei praktisch allen Persönlichkeitsfragebögen
nur Meßbereich mittlerer Bandbreite verglichen mit ähnlichen Tests
Mehrdeutigkeit der Offenheitsskala (Persönlichkeitsskala & Lügenskala)
negative Korrelation (-.07) vom allgemeinen Verständnis von Offenheit und
dem, was die Skala „Offenheit“ mißt (lt. Schmidt und König)
wenig Angaben über Vergleichbarkeit des FPI-Rs zu ähnlichen Verfahren
Bejahungstendenz – die meisten Items sind „stimmt“ gescort
FPI-R – Das Freiburger Persönlichkeitsinventar
Kritik
zur Einzelfallverlaufsdiagnostik (Veränderungsmessung) nur bedingt
einsetzbar (neben dominierenden, relativ überdauernden Eigenschaften
können bei Testwiederholung in einem zeitlich größeren Abstand, auch
aktuelle Effekte/Veränderungen einwirken!!!)
zur Vorhersage von Kriterien aus dem biografischen, gesundheitlichen und
beruflichen Bereich werden noch gründlichere Untersuchungen benötigt
Kein Einsatz im beruflichen Eignungsdiagnostikbereich (Auslesediagnostik)
wegen Gefahr der Verfälschbarkeit!
FPI-R – Das Freiburger Persönlichkeitsinventar
Literatur
Jochen Fahrenberg, Rainer Hampel, Herbert Selg: Das Freiburger
Persönlichkeitsinventar, 7. überarbeitete und neu normierte Auflage Manual. Hogrefe Verlag Göttingen (2001)
G.Westhoff: Handbuch psychosozialer Meßinstrumente. Hogrefe Verlag
Göttingen (1993)
Brähler, Holling, Leutner, Petermann: Brickenkamp Handbuch
psychologischer und pädagogischer Tests. Hogrefe Verlag Göttingen
(2002)
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